„Was bleibt, wenn die Mauern fallen?“
Aleš Štegers Poesie in Zeiten der „Entordnung“
Zurzeit ist Aleš Šteger wieder einmal meine begleitende Literatur. Erst jetzt, im Spiegel der globalen Krisen, öffnet sie mir die Augen auf eine neue Weise und erweitert mich in meinen eigenen Gedanken und Wegen. Es ist eine Form von Dichtung, die ich für mich Punk-Poesie nenne: unbequem, klar, widerständig. Eine Sprache, die nicht glättet, sondern aufbricht.
Warum diese Texte jetzt erneut aktueller denn je sprechen
Die Welt, wie wir sie kannten, bröckelt. Nicht durch Zufall, nicht durch Naturgewalten, sondern durch die gezielte Arbeit weniger, die Regime stützen, Religionen als Schutzschilde missbrauchen und Finanzströme so lenken, dass sie Chaos säen – um es später nach eigenem Willen „aufzuräumen“.
In einer Zeit, in der regelbasierte Ordnungen zerrissen werden, sucht man nach Worten, die das Unfassbare fassen, ohne in Ohnmacht zu flüchten. Die Gedichte von Aleš Šteger tun genau das.
Sie benennen den Bruch, zeigen die Wunden und lassen in den Rissen Raum für das Unbenannte. Für das, was wächst, wenn alles andere fällt.
Aleš Šteger – aktueller denn je
Auszug aus dem Werk „BERLIN“
Die Stadt als Loch im Kopf der Geschichte
Die Stadt ist ein Loch im Kopf der Geschichte,
in das wir hineinrufen, was wir fürchten:
keine Antwort, nur das Echo
unserer eigenen Stimmen, die sich brechen
an den Mauern, die wir selbst gebaut haben.
Die Steine sind kalt, aber sie lügen nicht.
Sie sagen: Hier stand etwas, das nicht mehr steht.
Hier fiel etwas, das nicht mehr aufsteht.
Hier wurde etwas geteilt, das nicht mehr ganz wird.
Und doch – zwischen den Rissen,
wo der Wind pfeift wie eine Frage,
wächst etwas, das keinen Namen hat.
Šteger beschreibt Berlin nicht als Symbol des Wiederaufbaus, sondern als offene Wunde. Eine Stadt, die die Narben der Geschichte trägt und zugleich Raum für das Ungewisse öffnet. Die „Mauern, die wir selbst gebaut haben“, stehen für Systeme, die wir für sicher hielten – bis sie von innen heraus zerfielen. Doch gerade in den Brüchen, im „Wind wie eine Frage“, liegt die Möglichkeit des Neuen. Kein Trost im herkömmlichen Sinn, sondern die Erkenntnis, dass Leere auch ein Anfang sein kann.
Auszug aus „Die Enteignung“
Was uns genommen wird – und was bleibt
Sie haben uns die Sprache genommen
und uns gelehrt, in ihrem Dialekt zu betteln.
Sie haben uns die Hände genommen
und uns gezeigt, wie man mit leeren Fäusten klopft.
Sie haben uns die Erde genommen
und uns versprochen, wir könnten sie kaufen.
Doch die Erde atmet unter dem Beton.
Die Sprache flüstert in den Rissen der Gesetze.
Und die Hände – sie erinnern sich noch,
wie man einen Stein hält,
wie man einen Samen pflanzt,
wie man eine Tür öffnet, ohne zu fragen.
Hier wird die systematische Entmündigung durch Machtapparate sichtbar. Sprache, Körper und Land werden zur Ware, alles wird kontrolliert.
Doch Šteger zeigt, dass das, was uns „genommen“ wurde, nicht verschwunden ist. Die Erde atmet weiter. Die Sprache widersetzt sich. Die Hände wissen noch, wie man schafft, ohne Erlaubnis zu bitten.
Es ist eine Poesie des Widerstands – nicht mit Fäusten, sondern mit Erinnerung und stiller Beharrlichkeit.
Warum diese Gedichte für mich jetzt erneut besonders wichtig sind
Weil sie keine einfachen Antworten geben.
Weil sie die Komplizenschaft derer benennen, die Macht mit Angst und Geld zementieren – und zugleich die Stille würdigen, in der etwas Neues keimt.
Weil sie mich anregen, über den Tellerrand hinaus selbstständig, erweiternd und dennoch lösungsorientiert zu denken, zu handeln und zu sprechen.
Und weil sie mich emotional stärken, um resilient, aber dennoch empathisch und verbindend weiterzuleben.
In einer Welt, in der „Ordnung“ oft nur ein anderes Wort für Unterdrückung ist, erinnern Štegers Verse daran, dass Brüche nicht das Ende sind. Sie sind der Ort, an dem Zukunft entsteht.
Gerade dort finde ich Hoffnung und Trost – auch dann, wenn negativ gestreute Ängste, Hass und Neid viral wirken und mir im Umfeld oder in sozialen Medien immer wieder begegnen und mich zumindest lesend oder hörend dann erfassen.
Für mich bleibt, auch gestärkt durch diese von mir Punk-Poesie genannte Poesie, meine Resonanz darauf, die bewusste Entscheidung, nicht zu erstarren. Sondern mit guten Gedanken, guten Taten und guten Worten zu reagieren. Ich erkenne darin meinen Weg – und vielleicht auch einen Weg für uns als Menschheit –, der zielgerichtet zu einem lebenswerten und vor allem liebenswerten Morgen führen kann.
Text am 21.01.2026 von ©️®️CWG verfasst und von KI formatiert. Teilen, Folgen und Herzen verteilen sind willkommen – Spam & Bots werden blockiert.
Die Gedichte sind dem Werk von Aleš Šteger entnommen. Alle Rechte liegen beim Autor und den jeweiligen Verlagen. Die Verwendung erfolgt zu künstlerischen und diskursiven Zwecken im Rahmen der Zitierfreiheit (§ 51 UrhG). Für kommerzielle Nutzung oder weitergehende Veröffentlichungen ist die Zustimmung der Rechteinhaber einzuholen.