UniversitĂ€ten als Ideenfabriken fĂŒr den Mittelstand
by Sven Kamerar
Das rasante Innovationstempo allerorten macht den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zum Erfolgsfaktor fĂŒr Unternehmen. Nur so bleiben sie auf der Höhe der Zeit. Ein Blick auf gelungene Kooperationen und auf ein Start-up, das daraus ein cleveres GeschĂ€ftsmodell entwickelt hat.
Das rasante Innovationstempo allerorten macht den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zum Erfolgsfaktor fĂŒr Unternehmen. Nur so bleiben sie auf der Höhe der Zeit. Ein Blick auf gelungene Kooperationen und auf ein Start-up, das daraus ein cleveres GeschĂ€ftsmodell entwickelt hat.Â
Noch haben nicht allzu viele Unternehmen begriffen, wie wichtig fĂŒr sie der Austausch mit Wissenschaft und Forschung ist, um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben: Selbst von den Firmen, die das Zentrum fĂŒr EuropĂ€ische Wirtschaftsforschung (ZEW) als âinnovationsaktivâ bezeichnet, kooperieren gerade einmal 6,8 Prozent mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen.Â
Nun kann man argumentieren: Nach den MaĂstĂ€ben des ZEW sind 93,2 Prozent der Unternehmen auch ohne Kooperation erfolgreich. Man kann aber auch zu der Ansicht gelangen, dass diese Betriebe sich einfach mit dem Erreichten zufriedengeben und Potenzial verschenken.Â
Zusammenarbeit als Innovations- und WachstumsmotorÂ
Schaut man beispielsweise nur auf die TOP 100, also auf die innovativsten Unternehmen des deutschen Mittelstands, dann sieht man, dass ĂŒberdurchschnittlich viele von ihnen regelmĂ€Ăig mit UniversitĂ€ten und Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten: 66 Prozent. Kooperationen dieser Art sind also ein echter Innovations- und Wachstumstreiber.Â
Das bestĂ€tigt Daniel Huber, der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des viermaligen TOP 100-Unternehmens Peter Huber KĂ€ltemaschinenbau: âWahre TechnologiesprĂŒnge lassen sich durch die Zusammenarbeit mit externen Entwicklungspartnern am ehesten erkennenâ, sagt der Mann, der mit seinen Technologien unter anderem ein Observatorium im Himalaja-Gebirge ausgestattet hat.Â
Studenten organisieren virtuelle ModenschauÂ
Am Puls der Zeit bleiben: mit dem TOP 100-Blog Studenten organisieren virtuelle Modenschau Auch zwei Top-Innovatoren aus der Modebranche setzen auf universitĂ€res Know-how und ĂŒbertragen Studenten auĂergewöhnliche Innovationsprojekte. âDie Wissenschaftler und Studenten helfen uns aktuell zum Beispiel bei der 3-D-Simulation: Eine Software nĂ€ht Stoffe virtuell zusammen, zieht die fertige Kleidung einem Avatar an und kann auch die Bewegung der Stoffe simulieren. FĂŒr solche Forschungen haben wir als MittelstĂ€ndler gar nicht die KapazitĂ€tenâ, berichtet Helmut Schlotterer in einem Interview fĂŒr das gerade erschienene TOP 100-Buch. Schlotterer ist Inhaber des international tĂ€tigen Damenmode-Herstellers Marc Cain.Â
Der Ă€lteste Damenschuh-Hersteller Europas, die Peter Kaiser Schuhfabrik, profitiert ebenfalls von der Einbindung externen Wissens in seine Innovationsprozesse: Gemeinsam mit Studenten der Technischen UniversitĂ€t Berlin realisierten die Pirmasenser in einjĂ€hriger Entwicklungsarbeit einen fotorealistischen 3-D-Produktkonfigurator. Mit ihm können Kundinnen selbst zu Designerinnen werden und ihre eigenen Wunschschuhe und -handtaschen entwerfen. Peter Kaiser fertigt und versendet die individuellen EntwĂŒrfe in nur drei bis vier Wochen.Â
TWL âmietetâ eine UniversitĂ€tÂ
Die Technischen Werke Ludwigshafen (TWL) zogen die Zusammenarbeit gleich etwas gröĂer auf: 2015 veranstaltete der Energieversorger gemeinsam mit der Karlshochschule in Karlsruhe den Ideenworkshop âRent a Universityâ: 100 Studenten und 20 Professoren entwickelten gemeinsam neue Ideen fĂŒr die Versorgungswirtschaft der Zukunft.Â
âNach dem âOpen Spaceâ-Konzept beschĂ€ftigte sich die Hochschule mit der Frage, welche KundenbedĂŒrfnisse die Versorgungswirtschaft 2020 erfĂŒllen soll. In drei Runden Ă 75 Minuten wurden unterschiedlichste Ideen in den HochschulrĂ€umen generiert und bearbeitet. Von âMobilitĂ€t der Zukunftâ ĂŒber âSocial Responsibilityâ bis hin zu âSmart & Green Citiesâ â den Gedanken waren keine Grenzen gesetztâ, berichtet das Unternehmen in seinem Newsletter. Die Ergebnisse wurden dann an der Karlshochschule im Rahmen eines Unternehmensprojekts weiter bearbeitet.Â
Austausch mit UniversitĂ€ten als GeschĂ€ftsmodellÂ
Nicht selten fehlt mittelstĂ€ndischen Unternehmen aber der Zugang zu UniversitĂ€ten oder das Vertrauen in die PraxisnĂ€he ihres Forschens. Diese Kluft will das Start-up Telanto mit Sitz in MĂŒnchen und Barcelona ĂŒberwinden. Das von ehemaligen SAP-Managern gegrĂŒndete Unternehmen verwebt mit seinem âAcademic Business Networkâ UniversitĂ€ten und Firmen.Â
Unternehmen, die ein Problem zu lösen haben, können auf der Telanto-Webseite einen âCall for Solutionsâ platzieren. Beim Blick auf die Webseite ĂŒberrascht das breite Spektrum der aktuell zur Bearbeitung ausgeschriebenen Aufgaben: Es reicht vom Klassiker, der Erarbeitung einer Internationalisierungsstrategie, bis zu auĂergewöhnlichen Aufgaben wie die âErhöhung der Akzeptanz in Kommunen fĂŒr erneuerbare Energienâ und die âTiergesundheit in Zentral-Molkereien". Letztere âChallengeâ ist ĂŒbrigens mit einem Tiger-Bild illustriert, was einen eher unorthodoxen Lösungsansatz bedingen könnte.Â
FakultĂ€ten oder Professoren der unterschiedlichsten Fachrichtungen, die fĂŒr ihre Studenten eine Praxisaufgabe suchen, können sich als Problemlöser bewerben. Umgekehrt können sie aber auch selbst âCalls for Challengesâ ausschreiben, wenn sie fĂŒr ihre Studenten eine Praxisaufgabe aus Unternehmen im Rahmen eines akademischen Kurses suchen. âDie Studierenden sammeln so praktische Erfahrungen, die nicht fĂŒr die Ausbildung konstruiert wurden, sondern aus der UnternehmensrealitĂ€t stammenâ, betont Telanto in einer Unternehmensmitteilung.Â
Und auch die Unternehmen profitieren nicht nur von den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und studentischem Elan. Vielmehr lernen sie ĂŒber die Projekte auch gleich vielversprechende âYoung Potentialsâ kennen und sparen sich die mĂŒhsame Suche nach neuen Mitarbeitern. Der Weg fĂŒr weitere Innovationen ist damit geebnet.










