Kolumbien: Ein wunderschönes Land mit schlimmen Geschichten, freundlichen Menschen und herrlich süssen Früchten.
Ich habe lange, wirklich sehr lange über diesen Text nachgedacht. Soll ich mich kurz halten und das wunderschöne Kolumbien in einigen kurzen Sätzen und mit vielen Bildern beschreiben, oder soll ich wirklich erzählen was ich in den letzten Wochen meiner Reise erlebt habe und wie es mir, auch im Hinblick auf meine Rückreise in die Schweiz, emotional ergangen ist?
Ersteres wäre sicherlich einfacher und vielleicht auch etwas fröhlicher gewesen, aber ihr merkt schon, dass ich mich für Letzteres entschieden habe. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits sind diese Texte v.a. für mich gedacht und ich möchte später nachlesen können, wie es damals war in Kolumbien und nicht meinem zukünftigen Ich etwas vorgaukeln. Andererseits bin ich fest davon überzeugt, dass es nichts ehrlicheres und interessanteres gibt als Emotionen und ich nehme jetzt einfach mal an, dass ihr das auch so seht...
Etwas müde kam ich nach 7 Stunden Fahrt mit dem Bus in Medellin an. Die Fahrt dauert normalerweise nur 4 Stunden, aber die Strasse wird derzeit an so vielen Stellen ausgebessert, dass der Bus immer wieder lange warten musste. War aber nicht weiter schlimm, denn die Fahrt ging wiederum über Hügel durch wunderbar herrliche grüne Landschaften. Nach dem Einchecken und der auf die Fahrt folgende und wie immer herrliche Dusche, lief ich etwas durchs Quartier um einen ersten Überblick zu kriegen. Ich habe mich wie die meisten Reisenden in der sichersten und touristischsten Gegend einquartiert und dementsprechend sah diese aus: Viele schöne Läden und teure Restaurants, verhältnismässig wenig Obdachlose und/oder Verrückte und viele junge Touristen. Wobei vor allem viele der jungen Männer des Nachtlebens wegen hier waren. Natürlich ging auch ich einige Male bis in die frühen Morgenstunden feiern, Medellin ist auch ziemlich berühmt-berüchtigt hierfür. Aber ich habe mich nie 100% gehen lassen denn ich wollte jeweils auch wieder sicher nach Hause zu kommen und ausserdem liegt mein Fokus nicht auf Koks und Frauen (beides wäre hier definitiv sehr billig zu haben gewesen). Nicht dass ich besonders ängstlich wäre oder so - auch ich bin nach Hause getorkelt frühmorgens - aber ich hatte weder mein Handy noch viel Geld dabei und v.a. hatte ich meine Getränke immer abgedeckt, wenn ich nicht gerade trank. KO-Tropfen sind hier ein wirkliches Problem. Und das Quartier ist zwar generell sicher, aber alles ist bekanntlich relativ. So wurde während meinen fünf Tagen in Medellin ein Bettnachbar ausgeraubt, einer mit KO-Tropfen betäubt und ausgeraubt und einer landete im Gefängnis (wahrscheinlich wegen Drogen). In der Nacht hörte ich zweimal sehr nahe viele Pistolenschüsse und abends kreiste immer wieder der Suchhelikopter mit Scheinwerfer über dem Areal...
Mit etwas Kopfweh ging ich am zweiten Tag die Stadt mit der Metro und der Seilbahn erkunden. Das Metrosystem in Medellin kann definitiv mit unseren S-Bahnen mithalten. Im fünf, bzw. sieben Minutentakt fahren die Züge und die Bewohner sind so stolz darauf, dass die Metro in Topzustand ist; keine verkratzten Scheiben oder Graffiti, keine Sicherheitsprobleme. Und wahrscheinlich sind die Metrostationen in Medellin der einzige Ort in Südamerika wo niemand, wirklich niemand seinen Abfall auf den Boden wirft. Alles andere als die Metro zu benützen macht auch wenig Sinn, wenn man wählen kann, denn die Strassen sind chronisch verstopft. Ausserdem ist es cool mit der Metro zu fahren, denn diese ist nicht unterirdisch, sondern fährt meist etwas erhoben auf einem Trassée, so dass man eine gute Sicht auf die Stadt hat. Mit der Seilbahn ist es dann natürlich noch etwas cooler. Ich liebe diese Seilbahnfahrten in den Grossstädten in Südamerika. Es ist einfach herrlich nah über den Dächern zu schweben; für einmal braucht man sich keine Gedanken um die Sicherheit zu machen und der Voyeurismus kommt auch nicht zu kurz, da die Menschen alles auf den Dächern machen, von Wäsche aufhängen (naheliegend) über Haare schneiden (warum nicht?), Fussball- oder Kartenspielen und natürlich Rumknutschen (das macht man sowieso überall).
Dann lief ich zusammen mit anderen durch die Communa 13. In diesem Teil von Medellin war anfangs der 2000er Jahre vom damaligen Präsidenten Uribe ein Exempel gegen den Drogenhandel, die Bandenkriege und die Paramilitärs, welche nach Pablo Escobars Tod in den anfangs 90er Jahre das Machtvakuum gefüllt hatten, statuiert worden. Mit Kampfhelikoptern (aus den USA) und Fahrzeugen stürmte die Armee das Viertel und tötete viele schlechte Menschen, aber natürlich auch viele unschuldige. Wenn man heute durch das Quartier läuft, vorbei an Einschusslöchern, dann kann man nur staunen wie sehr sich das Viertel in knapp 15 Jahren gewandelt hat. Mit freundlicher Unterstützung der Regierung hat man es geschafft, den Leuten in diesem Vierteil eine Zukunft zu geben, die nichts mit Waffen zu tun hat. Es gibt viel Kunst zu sehen, bspw. Graffitis und auch andere Elemente der Hiphop-Kultur wie Breakdancen und Rappen werden zelebriert. Es entstanden allerlei kleine Cafés und Bars die die vielen Touristen sehr freundlich und gar nicht aufdringlich empfangen. Man könnte erwarten, dass die Leute genervt sind ab den Hundertscharen von Fremden die durch ihr Quartier schlendern und von allem und jedem ungefragt Fotos schiessen, aber dem ist nicht so. Alle sind stolz auf ihr mittlerweile ziemlich proper wirkendes Quartier. Es scheint ein Charakterzug der Kolumbianer zu sein, dass sie nicht zurückschauen, sondern nur nach vorne und zwar mit Hoffnung und stets lachend. Es ist zu bewundern und später wird mir das noch viel bewusster werden.
Doch zuvor ging es am nächsten Tag noch zum Parque Arvi hoch, diesmal mit einer anderen Seilbahn. Der Himmel war bedeckt und das Tal in welchem Medellin liegt, füllte sich immer wieder mit einer Mischung aus Nebel und Smog. Der Park, welcher viele schöne Wanderwege haben soll, enttäuschte mich dann auf den ersten Blick etwas: Grosse geteerte Strassen auf welchen die einheimischen und internationalen Touristen in Bussen herangekarrt werden, viele Souvenierstände, generell wenig Natur. Wieder einmal merkte ich, dass die Kolumbianer aus einem naturnahen Ausflug in einen Park etwas anderes verstehen als ich und natürlich lag auch überall Abfall herum. Irgendwann fand ich dann aber doch einen Weg, welcher für einige Stunden durch den Wald führte und ich genoss wie immer die Ruhe in der Natur nach der Hektik und dem Lärm in der Grossstadt.
Am nächsten Tag machte ich mich auf zur Free Walking Tour. Ich war gespannt, denn ich hatte von dieser nur Gutes gehört. Juliana, unser Guide - in Medellin aufgewachsen, zwischenzeitlich in die USA geflüchtet und jetzt seit einigen Jahren wieder zurück in ihrer Heimatstadt - brachte uns die Stadt und ihre Geschichte auf eindrückliche Art und Weise näher. Medellin hat bzgl. alten oder schönen Gebäuden wenig zu bieten, einige Kirchen und das wars auch schon. Ansonsten dominieren die Bauten aus roten Ziegeln, wie bspw. in La Paz. So sind mir denn auch wenig Eindrücke hiervon geblieben. Doch ich kriege Hühnerhaut, wenn ich daran zurückdenke was Juliana uns erzählte. Zuerst brachte sie uns die Geschichte Kolumbiens und natürlich besonders derjenigen von Medellin näher und ging v.a. auf die letzten 50 Jahre ein. Mich erstaunte, dass die Tour nur auf Englisch gehalten wird und auch keine Namen genannt werden, weder von früheren Präsidenten noch bspw. von Pablo Escobar. Juliana erklärte dass diese aus Gründen der Sicherheit nicht genannt werden können. Praktisch jeder in der Stadt hat irgendeine eine Verbindung zu diesen Menschen, hat bspw. jemanden aufgrund des Drogenkrieges verloren oder ähnliches. Und man will möglichst keine negativen Reaktionen provozieren. Da die meisten Kolumbianer kein Englisch sprechen, werden so auch allfällige geäusserte Meinungen zu diesen Personen nicht falsch aufgenommen. Juliana erklärte uns, dass wir sie alles fragen dürfen, was wir wollen und so kam es, dass die Fragen gegen Ende der Tour immer persönlicher wurden und Juliana erzählte bald aus ihrem Leben im Medellin der 1990er und 2000er Jahre. Spätestens als sie ziemlich nonchalant erwähnte, dass sie und ihre Familie 2 Mal mit Waffen als Geiseln genommen wurden, insgesamt über 20 Mal bei ihnen eingebrochen wurde - natürlich als sie alle zu Hause waren - und sie jeweils auf dem Weg in die Schule den Leichen auf der Strasse ausweichen musste, begannen wir langsam zu verstehen wie das Leben von vielen Kolumbianern vor nicht allzu langer Zeit ausgesehen haben muss. Es ist definitiv eine andere Erfahrung ob man auf Netflix Narcos schaut, oder ob einem jemand zitternd und offensichtlich mit PTSD erzählt, dass es in ihrem Quartier irgendwann keine Männer mehr gegeben hat, welche älter als 13 Jahre waren. Und diese Kinder regierten dann das Viertel mit Waffengewalt. Man hat also eine zitternde, beinahe weinende Frau vor sich und man kommt nicht umher daran zu denken, dass wahrscheinlich alle Kolumbianer auf irgendeine Art und Weise an einem solchen oder ähnlichen Trauma leiden. Es ist ja nicht so, dass nur Medellin oder Städte betroffen waren, insbesondere die Anbaugebiete der Kokapflanzen waren während Jahrzehnten das Ziel erbitterter Kriege zwischen Guerillas, Paramilitärs, Militär und Drogenkartellen - in allen möglichen Variationen und Kombinationen. Generell hat die Nation als Ganzes so viel Negatives durchlebt, hier nur einige wenige Beispiele: In Bogota wurde das Gebäude der Justiz zwischenzeitlich von Paramilitärs eingenommen, bis es vom eigenen Militär zerbombt (!) wurde - viele Geiseln starben. In einem Wahlkampfjahr wurden einmal alle 3 Präsidentschaftskandidaten ermordet, kurz darauf begrub ein Vulkanausbruch eine ganze Stadt und mehrere Tausend Personen kamen um. Während den schlimmsten Jahren gab es über 7 Millionen inländische Flüchtlinge - bspw. mehr als im heutigen Syrien. Auch heute noch decken Reiseführer nur ca. die Hälfte des Landes ab, der Rest wird als nicht sicher genug angesehen. Und wie gehen die Kolumbianer damit um? Sie schauen nicht zurück, nur nach vorne und versuchen immer fröhlich zu sein. Es ist eine Art nationaler Coping-Mechanismus des kollektiven Vergessens, bzw. selektivem Gedächtnisses das ein ganzes Volk praktiziert. Negative Dinge werden ausgeblendet und umso mehr werden die kleinen positiven Dinge hervorgehoben, bspw. dass man einmal 1:1 UNENTSCHIEDEN gegen Deutschlang gespielt hat oder ein Kolumbianer irgendwann einmal EINE Etappe der Tour de France gewonnen hat. Ich bin mir nicht sicher, ob das ein guter Weg ist mit seiner Vergangenheit umzugehen, aber vielleicht ist es die einzige gangbare Weise ohne dass man als Nation im kollektiven Elend versinkt und untergeht. Und natürlich wurde mir hier - egal wie pathetisch es klingt - wieder einmal schmerzlich bewusst, wie gut wir es zu Hause haben und wie lächerlich die Dinge sind, über die wir uns tagtäglich nerven und beschweren. Wenn ich nur schon versuche, mir vorzustellen wie viel Leid die Leute hier erdulden mussten, kommen mir die Tränen. Und es ist nicht so, dass Kolumbien über dem Berg ist. Der Anbau von Drogen ist nach wie vor ein grosses Problem und das ist auch nicht weiter verwunderlich bei der steigenden Nachfrage in den westlichen Ländern. Und ja man hat ein Friedensabkommen mit der FARC seit vier Jahren, aber die FARC ist nur einer von mindestens vier Playern mit Waffengewalt in Kolumbien und bereits haben viele Unterzeichnende der FARC ihre Unterstützung für das Abkommen wieder zurückgezogen. Der Tourismus hilft zwar den Leuten, er bringt neue Erwerbsmöglichkeiten, aber es kommen auch viele Drogen- und Sextouristen die dem Land schaden. Pädophile reisen nicht mehr nur in asiatische Länder, sondern auch in Kolumbien kann man sich mit Minderjährigen vergnügen. So liess mich diese Tour ziemlich traurig und auch hilflos zurück. Trotzdem möchte ich sie nicht missen und ich bin froh, dass mir diese Dinge nicht egal sind und mich solche Dinge berühren, alles andere würde mich an meiner Menschlichkeit zweifeln lassen. Zu sehen wie Juliana, stellvertretend für die Mehrzahl der Kolumbianer, trotz dieser teils beinahe aussichtslosen Situation ihr Lachen nicht verliert und positiv in die Zukunft war mehr als eindrücklich!
Passenderweise war am nächsten Tag ein nationaler Feiertag (Feier der Unabhängigkeit von Spanien) und gleichzeitig wurde der neue Präsident - wiederum rechts, da alle Kolumbianer bei linken Kandidaten an ein nächstes Venezuela denken - vereidigt. So ging ich denn mit vielen inländischen Touristen Richtung Guatape, salopp gesagt ein grosser Felsen mit schöner Seenlandschaft drum herum. Es hatte viele Leute und ich merkte an diesem Tag das erste Mal so richtig, wie bei mir langsam die Luft draussen war. Ich hatte keine Lust mehr ständig auf der Hut sein zu müssen, ständig Preise feilschen zu müssen, ständig die gleichen Fragen zu stellen und zu beantworten und generell ständig als wandelnder Geldsack angesehen zu werden. Dinge die mich zu Beginn der Reise etwas gestört hatten und an welche ich mich schnell gewöhnt habe, nerven mittlerweile nur noch (bspw. das ständige Gehupe). So war mir denn am Ende dieses Ausfluges klar, dass ich nun für die verbleibenden Wochen nicht mehr möglichst viel sehen muss, sondern vor allem noch die Zeit geniessen möchte.
Mit diesen Gedanken flog ich nach Cartagena, einer wirklich schönen, wenn auch sehr touristischen Stadt, in welcher ich ausser Schwitzen und Essen nicht viel tat. Ach ja doch, ich sah meine alten Freunde wieder, die Bettwanzen und hatte wie bereits früher eine ausgeprägte allergische Reaktion darauf.
Bodyshaming gibt es nicht so häufig in Kolumbien, irgendwie erfrischend aber teilweise ist bauchfrei dann doch nicht die richtige Wahl...
Gegen die Bettwanzenstiche halfen nur Antihistaminika und weniger heisse Gefilde wie Minca, wo ich zwischen Kaffee und Bananenpflanzen und mit herrlich frischen Fruchtsäften das Leben genoss. Minca ist der perfekte Abschluss für mich, ich mache zumindest teilweise nichts (sehr ungewöhnlich) und unternehme Wanderungen durch die umgebenden Wälder. Ich sehe viele Vögel und während Tucane bereits jeweils am Morgen vor meinem Fenster durchfliegen, habe ich v.a. Freude an den Spechten welche sich gut fotografieren lassen. Und natürlich habe ich auch meine liebe Freude an der Flora.
Nun geht es noch für 3 Tage nach Bogota, bevor es weiter zum Familientreffen nach Kanada geht. So wie ich mich kenne, werde ich die nächsten Tage v.a. mein Privatzimmer geniessen, gut essen und meine Zeit in Cafés verbringen.
Danach geht es also nach Hause, zurück in die Schweiz und es wäre gelogen wenn ich sagen würde, dass mich das kalt lässt. Ich freue mich unglaublich darauf zurückzukehren. Dafür gibt es viele Gründe und einer sticht ganz besonders heraus. Gleich zu Beginn der Reise habe ich etwas gefunden, was ich weder gesucht noch wirklich für möglich gehalten habe und so war für mich schnell klar, dass ich nicht ewig unterwegs sein will. Einige mögen das nicht verstehen und denken vielleicht, ich hätte eine oder sogar die letzte Gelegenheit verpasst die Welt zu entdecken. Glücklicherweise kann mir das egal sein, denn für mich gibt es keinen schöneren Grund um zurück in die Schweiz zu kommen. Und sowieso, ich wüsste nicht, warum ich nicht immer wieder auf Reisen gehen kann. Ich denke viele sind diesbezüglich etwas gefangen in ihren Vorstellungen: Beziehung, Heirat, Kinder und dann während 20 Jahren privater Stillstand, möglichst mit einem Haus mit Umschwung und vielleicht noch einer Affäre. Ich habe immer wieder Paare mit Kindern auf meiner Reise getroffen, der kleinste Goof war nicht einmal 2 Jahre alt. Man kann also auch noch mit Kindern die Welt entdecken, es ist wie so oft einfach eine Frage der Einstellung...Was mich betrifft, so habe ich auch gemerkt, dass es viel Kraft kostet alleine unterwegs zu sein. Ich habe nie jemanden kennengelernt mit dem ich hätte zusammen reisen wollen, nicht einmal für ein paar Tage. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich mittlerweile weiss was ich will (und was nicht) und es mir schwerfällt diesbzgl. Kompromisse einzugehen.
In die Freude mischen sich aber auch andere Gefühle. So bin ich bspw. ziemlich sicher, dass ich einen kleinen Kulturschock erleben werde wenn ich zurück bin. Wahrscheinlich wird er grösser sein als derjenige den ich anfangs der Reise gehabt habe, denn damals war ich mental darauf vorbereitet, dass alles anders wird. Und natürlich denke ich mit einigem Respekt an meine Zukunft und was sie für mich bringt. Ich habe einen Plan und ich werde mich davon nicht abbringen lassen, aber ich weiss auch, dass der soziale Druck in der Schweiz gross ist. Letztendlich will ich das machen was mich glücklich macht und ich habe mir fest vorgenommen mich von der Frage "Und was machsch jetzt?" nicht verunsichern zu lassen.
Was ich vermissen werde: Die fröhlichen und extrem hilfsbereiten Einheimischen aller Länder die ich besucht habe. Das meist nicht vorhandene Bodyshaming. Frittiertes Essen, frische und unglaublich süsse Fruchtsäfte, CEVICHE, Aji (scharfe Sauce / Beilage die man überall draufschmeissen kann), generell auf der Strasse zu essen. Die tausend mal kurzen, mal längeren Gespräche mit Einheimischen in Bussen und sonstigen Orten. Der Abstand zum Alltag in der Schweiz und die damit verbundene Möglichkeit des Perspektivenwechsels, sowie des Hinterfragens von gewissen Dingen. Die Flora und Fauna in Patagonien, im Dschungel oder unter Wasser. Seelöwen, Schildkröten, Haie und Walhaie sowie die vielen netten Strassenhunde.
Was ich nicht vermissen werde: Das nicht vorhandene Bodyshaming. Frittiertes Essen, Eier mit schlechtem Brot und viel zu süsser Gonfi zum Zmorge. Grenzübergänge. Alle ach so coolen Reisenden, v.a. die Männer. Gruppen von Israelis (alleine super). Das ständige Gehupe. Die in meinen Augen oft respektlose Behandlung von Frauen. "Hola Amigo". Die Ineffizienz und Langsamkeit der Leute in allen Lebensbereichen.
Auf was ich mich freue: Alle mir wichtigen Personen, wobei natürlich jemand ganz besonders heraussticht. Schwiizerdütsch zrede. KÄSE, KÄSE, KÄSE und BROT, BROT, BROT und SALAT, SALAT, SALAT. Sich ohne Gedanken an die Sicherheit bewegen zu können. Die Ruhe in der Schweiz, selbst in den Städten und die Sauberkeit in der Natur (in der Stadt ist es mir irgendwie egal wenn was am Boden liegt). Nach 6 Monaten endlich wieder Sport zu treiben, zu schwitzen und mich auszupowern. Und noch vieles mehr, das mir jetzt gerade nicht einfällt.
Danke fürs Mitlesen und bis bald!
Ps: Ach und das wichtigste zum Schluss; ein Plädoyer fürs Reisen: Getraut euch auch einmal auszubrechen aus eurem Leben. In der Schweiz zu leben und zu arbeiten ermöglicht einem so vieles und Reisen ist sicherlich etwas vom Spannendsten was man mit seinem Geld anfangen kann. Man muss ja nicht seine Zelte komplett abbrechen, man kann seine Wohnung auch für einen oder zwei Monate untervermieten und immer wieder zurück in die schöne und sichere Schweiz. Und wenn man wirklich will, dann kann man auch. So ist es ziemlich unfair den eigenen Kindern später die Schuld in die Schuhe zu schieben, dass man seine nicht Träume verfolgt hat. Kinder können überall Kinder sein. Und natürlich kann man auch nach der Pensionierung noch auf Reisen gehen, aber vielleicht ist man dann körperlich nicht mehr fit und v.a. wird man nicht mehr so unterwegs sein wie in jungen Jahren. Und zu guter Letzt, wem die Karriere wichtiger ist als Reiseerfahrungen, nun, dem kann ich eigentlich nichts mehr sagen ausser dass am Ende wahrscheinlich nicht das viele Geld oder der berufliche Erfolg zählt, sondern ebendiese ausserberuflichen Erfahrungen.