Die gehackte Welt: âThe Pyramid of being fuckedâ
Unlängst gelang es mir, einen mir nur sehr flĂźchtig bekannten Entrepreneur dahingehend zu bequatschen, mich & meine Begleiter mit in den Berliner âHackertreffâ c-base zu nehmen. Das âabgestĂźrzte Raumschiff unter Berlinâ wird seit 1995 betrieben, war u.a. der Geburtsort der Piratenpartei Deutschlands und gilt - laut dem Entrepreneur und der Wikipedia - als einer der Dreh- und Angelpunkte des Internationalen Hackertums. Plus: Die Bar hat Charme ohne Ende. Im Obergeschoss kann jeder seinem inneren Cyberpunk frĂśnen, während im Untergeschoss, wo nur Vereinsmitglieder Zugang haben, eine bunte Truppe an ihren William Gibson-esquen Projekten tĂźftelt.
Aber bereits auf dem Hinweg verspĂźrte ich ein paranoides Kratzen in meinem Hinterkopf, wie ich es sonst immer kriege, wenn es âStille SMSâ hagelt: In Regierungsvierteln, während Demonstrationen und in Gegenwart von Polizisten in voller Kampfmontur.Â
Und das kam so: Um zur c-base zu gelangen, nimmt man eine U8 oder eine S-Bahn bis zur JannowitzbrĂźcke, Ăźberquert diese in Richtung Heinrich-Heine StraĂe und biegt dann sofort linker Hand zu einem Spreeufer-Pfad ab. Was man auf diesem Weg sieht, kann auch als âRaumschiff in Berlinâ bezeichnet werden: Die monumentale Festung, in der seit 2001 die Botschaft der Volksrepublik China residiert.Â
An einem China-Restaurant neben der c-base vorbei schlendernd, scherzte der Entrepreneur: âItâs pretty good. You should check it out. Although Iâm convinced that half their staff are actually officers in the chinese secret service.âÂ
Er meinte es ironisch, aber der Gedanke lieĂ mich nicht los. Nicht, während wir durch die unterirdischen Räume der c-base gefĂźhrt wurden; nicht, während ich Verständnisfragen zum Alter der Bar und zur Infrastruktur stellte; und erst recht nicht, als wir uns schlieĂlich an einem Tisch niederlieĂen und uns ein Bier genehmigten.
Mit meinen Fragen brachte ich den Entrepreneur zunehmend ins Schwitzen: Betreiben die Hacker ihre eigene IT-Infrastruktur hier unten? Macht sich niemand Sorgen darĂźber, dass die chinesische Botschaft sich ausgerechnet hier ansiedeln wollte? Ob das Vereins-intern Ăźberhaupt debattiert wird oder ob man darĂźber eher scherzt?
Er wich meinen Fragen mehr und mehr aus, schwieg schlieĂlich ganz und forderte uns dann zum Gehen auf, da ihm Ăźbel geworden sei. Okay. Auf dem RĂźckweg das Spreeufer entlang hielten wir kurz inne, weil einer unserer Gefährten etwas in der Bar hatte liegen lassen. Ich nutzte den Moment, um mich bei dem Entrepreneur zu entschuldigen - ich weiĂ, dass ich manchmal mit meinen naiven Fragen Leute mit grundsätzlichen Problemen ihrer eigenen Existenz konfrontiere, ohne das Ăźberhaupt zu beabsichtigen.
Es folgte eine Unterhaltung Ăźber Cybersecurity, Paranoia und Zwecklosigkeit, der nicht alle in unserem Anhang folgen konnten. Und in diesem Moment kam mir das Sinnbild dessen, was ich seitdem die âPyramid of Being Fuckedâ nenne, und mit der ich schon mehr als einen Informatiker Schachmatt setzen konnte:Â
âThe way I see it, in this digital age, youâre inhabiting a pyramid-of-being-fucked.â Ich hob beide Hände flach vor mein Gesicht, die Spitze einer Pyramide formend: âOn the top, you have a say Israeli- or Russian-made Trojan or Worm, infecting -â - ich fuhr mit den Händen auseinander, die Schenkel des Dreiecks verlängernd - âa most likely american made operating system with governmental surveillance built-in mandatorily, and all of that-â - ich formte mit den Händen den Boden der Pyramide - âis being run on hardware Made in China, with their military grade backdoors already hardwired in.âÂ
Der Entrepreneur grunzte.
âHe knows what I mean. There wonât be any moves you can make in this game - without being fucked eventually.âÂ
Egal ob die Welt nun auf einen âZweiten Kalten Kriegâ oder gleich einen âDritten Weltkriegâ hinsteuert.