Wie entstehen groĂe technische und wirtschaftliche Innovationen in einer Gesellschaft? â Wie entstehen Innovationen Teil 2
Disruptive Entwicklung im groĂen Stil am Beispiel ElektrizitĂ€tWer den Namen Thomas Alva Edison hört, denkt sofort an die Erfindung der GlĂŒhbirne. Aber das war nicht seine Vision. Die GlĂŒhbirne war nur ein kleiner Teil einer verĂ€nderten Welt, die Edison ersann. Gehen wir mal zurĂŒck in die Zeit vor der GlĂŒhbirne.
Die Zeit vor der GlĂŒhbirne
Es gibt viele Bereiche des Lebens, die durch die ElektrizitĂ€t verĂ€ndert wurden. Sehen wir uns zunĂ€chst aber nur das Licht an. Lange Zeit konnte Licht nur durch die Sonne oder durch Feuer erzeugt werden. Ein StĂŒck geflochtenes Gewebe (Docht) wurde in eine brennbare FlĂŒssigkeit gehĂ€ngt und angezĂŒndet. So entstand eine Flamme. Durch eine Metallfassung um den Docht konnte man die Flamme vom FlĂŒssigkeitsbehĂ€lter fern halten und den Durchfluss an FlĂŒssigkeit regulieren. Die Petroliumlampen und Gaslampen waren praktisch, man konnte sie einfach auffĂŒllen und verwenden. Jedoch waren diese Lampen gefĂ€hrlich, fiel sie bei z.B. Sturm herunter konnte sie zerspringen und das Haus brannte ab. SpĂ€ter fand man heraus, dass auch Wachs gut als Brennstoff geeignet ist. Durch den Docht wurde nur so viel Wachs verflĂŒssigt, wie nötig und es bestand keine akute Brandgefahr. Nur wenn die Flamme etwas anderes berĂŒhrte, konnte ein Brand entstehen. Auch diese waren praktisch, man konnte sie als Produkt erwerben und einfach anzĂŒnden, auch in der entlegensten HĂŒtte.So ein BlödsinnSicher gab es damals nicht Wenige, die es daher fĂŒr kompletten Blödsinn hielten, dass man Kraftwerke bauen, ĂŒberall Stromleitungen verlegen soll, Hausbesitzer Kabel bezahlen sollten, nur um ein elektrisches Licht betreiben zu können. Kerzen waren doch so viel einfacher zu handhaben und viel billiger! Gaslampen konnten zudem ausdauernd brennen und verliehen unabhĂ€ngiges Licht.
HĂ€tte Edison einfach eine GlĂŒhbirne erfunden, hĂ€tte sie zunĂ€chst niemand brauchen können, weil die komplette Infrastruktur dafĂŒr fehlte. Also konnte all das nur in einem Gesamtkonzept funktionieren und dieses Gesamtkonzept musste deutliche, ĂŒberwiegende Vorteile gegenĂŒber der âalten Weltâ bieten.
Der Geist hinter der GlĂŒhbirne
Edison wurde als Kind in die Telegrafie eingefĂŒhrt und arbeitete einige Jahre in dieser Branche. In dieser Zeit bekam er ein GefĂŒhl fĂŒr die mögliche Bedeutung der darin verwendeten Elektrotechnik. Auch bekam er mit, wie wichtig die Technik fĂŒr Zeitungen, Nachrichten und Zeitungen war.Er lernte einen Finanzier der Branche kennen und begann eigene Produktideen zu entwickeln. In New York wurde er Teilhaber einer Firma die Telegrafen mit Drucktechnik anboten. Ăber seine TĂ€tigkeit und Erfindungen in diesem Bereich kam er zu einem gewissen Vermögen.Auf dieser Basis wurde er von der Western Union Telegraph Co. Beauftragt, eine akustische Telegraphie zu entwickeln. 1977 ersann er den Phonograph und stellte ihn der Ăffentlichkeit vor. Er erfand ein Kohle-Mikrofon, das durch Anlegen einer Spannung ein so starkes Signal erzeugte, dass man es ĂŒber lange Strecken ĂŒbertragen konnte. Durch die VorfĂŒhrung der Phonographie erlangte Edison erstmals weitreichenden Ruhm als Erfinder. Ein SchlĂŒsselproblem fĂŒr die weite Verbreitung des Telefons war aber, dass die HauseigentĂŒmer fĂŒr Telefon und deren Energieversorgung keine Kabel verlegen wollten. Als SchlĂŒssel dafĂŒr galt elektrisches Licht, nur das gab es bisher nicht.
Die Original-GlĂŒhbirne von T. Edison - Bildquelle: By Terren - Edison Light Bulb, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3401005Das Business ModellMan musste also fĂŒr die Telefonie ein Stromnetz aufbauen und verkaufen, dafĂŒr musste man Hausbesitzer motivieren. Und es sollte durch elektrisches Licht passieren, die Telefone wĂŒrden dann mitversorgt. Bisher gab es Telefoniestationen nur bei der Post. Kein elektrisches Licht. Aber Gaswerke, die Gaslampen verkauften, die durch Gasleitungen von einer Zentrale aus versorgt wurden.So sollte es funktionieren: Einmalerlöse durch den Verkauf der elektrischen Lampen plus stĂ€ndiges Einkommen durch den Verkauf der Energie ĂŒber Leitungen.Edison arbeitete daher an diesen Komponenten: GlĂŒhbirne, Schalter, StromzĂ€hler und Generatoren. Nur zusammen wĂŒrde die Vision Wirklichkeit werden. Dynamos fĂŒr die Versorgung von bis zu 60 GlĂŒhbirnen existierten zwar, aber es mussten Investoren gewonnen werden, um groĂe Generatoren zu bauen.Die GlĂŒhbirne sollte geruchsfrei sein, relativ hitzefrei, einfach ein- und ausgeschaltet werden können und nicht flackern. Dies sollte die Basis fĂŒr die disruptive Technologie GlĂŒhbirne sein. Aber niemand war es bisher gelungen, dies umzusetzen und konkurrenzfĂ€hig zum Gaslicht zu sein.Edison war besessen von der Idee und lieĂ sich auch durch tausende Fehlversuche nicht davon abbringen, weiter zu entwickeln, bis ihm 1879 gelang mit einem Kohlefaden in Kombination mit einem Vakuum immerhin 40 Stunden Betriebszeit zu erreichen. 1880 erhielt er das Patent dafĂŒr. Im gleichen Jahr lieĂ er seinen auf einem Voltmeter basierenden StromzĂ€hler patentieren.
Demonstrieren und das Produkt vermarkten
1880 wurde ein Prototyp seines Lampensystems auf der SS Columbia installiert und der Ăffentlichkeit vorgefĂŒhrt. Die 1878 gegrĂŒndete Edison Electric Light Co. Begann nun, Fabriken fĂŒr GlĂŒhbirnen aufzubauen und New York mit unterirdisch verlegten Kabeln zu âElektrifizierenâ. 1886 gehörte das Unternehmen bereits zu den ganz groĂen Konzernen Amerikas. Aber schon 1882 wurden auch Beleuchtungssysteme in Europa aufgebaut.Man startete mit Fabriken, fĂŒr die Gaslampen ein Feuerproblem darstellten: Man startete also mit Kunden, die im wahrsten Sinn des Wortes ein âbrennendes Problemâ hatten und die Geld hatten. Darauf aufbauend weitete man das GeschĂ€ftsmodell immer weiter aus.Und es entstanden weitere Erfindungen, man erkannte, dass der Strom gefĂ€hrlich sein konnte, Edison erfand die elektrische Sicherung. Und auch eine spezielle Verkabelung, die es ermöglichte die ĂŒber die Entfernung abnehmende Spannung auch ĂŒber weitere Strecken konstant zu halten. Die GlĂŒhbirne wurde verbessert, bis 1882 wurden 32 Patente fĂŒr GlĂŒhlampen und deren Produktion angemeldet.SpĂ€ter entwickelte er GerĂ€te zur Tonaufzeichnung auf Wachsrollen und schlieĂlich den Plattenspieler, sowie zahlreiche andere Dinge. In der Betrachtung der Erfindung der GlĂŒhbirne jedoch spielt das keine Rolle und sei nur eine Randnotiz.An einer Stelle fehlte es Edison an Weitblick: Er entwickelte sein Stromnetzt mit 110V Gleichstrom und hielt jahrelang an diesem System fest. Eine Versorgung der Verbraucher mit weit entfernten, groĂen Kraftwerken war damit nicht umsetzbar.  1881 wurde der Transformator erfunden. Nicola Tesla und George Westinghouse propagierten den Einsatz von Wechselstrom. Denn diesen konnte man transformieren und damit beliebige Spannungen erzeugen. Das ermöglichte auch die Ăbertragung von Strom ĂŒber sehr weite Strecken: die Reduktion der Spannung konnte durch Transformation kompensiert werden. Auch die Generatoren waren einfacher zu bauen und weniger anfĂ€llig. Und so setzte sich in den 1890er Jahren das Wechselstromkonzept durch, das wir heute noch nĂŒtzen.
SchlĂŒsse auf der Metaebene
Die GlĂŒhbirne war nicht die fĂŒr sich allein stehende Erfindung eines eremitischen Genies im Labor. Viel mehr hatte ihr Erfinder eine viel gröĂere Vision, fĂŒr die er die GlĂŒhbirne brauchte. Ohne seinen geistigen Horizont aus der Telegrafie und seine umfassende Entwicklung von allem was man fĂŒr ein Stromsetz brauchte, wĂ€re wahrscheinlich auch die GlĂŒhbirne nicht zu diesem Zeitpunkt erfunden worden und sie hĂ€tte sich schon gar nicht am Markt durchgesetzt.Edison hat mit etwas Naheliegendem begonnen, Erfolge erzielt, gröĂere Visionen entwickelt, Investoren dafĂŒr gefunden. Die Visionen verwirklicht und dann den nĂ€chsten Schritt zur noch gröĂeren gemacht. Er hat die Verbesserung in den Haushalten vor Augen gehabt und gleichzeitig das Umfeld erdacht, das fĂŒr diese notwendig war. Und er hat all diese Elemente entwickelt, umfassend patentieren und produzieren lassen, sowie sich um die ersten Kundenprojekte gekĂŒmmert.All das war jedoch nicht nur ein Mann. In dieser Zeit entstanden viele Technologien, Produkte, Infrastrukturen, die die Basis fĂŒr die neuen Ideen und auch die Technologie als Solches waren. Der elektrische Strom war entdeckt und allerorten wurde damit geforscht und Neues entwickelt. Es gab schon Schreib-Telegrafen und Leitungen die sie verbanden. Es gab schon Erfindungen fĂŒr elektrisches Licht. Usw. Edison war aber derjenige, der als Erster die Dinge zuende dachte und umsetzte. Und er hatte Förderer und ein Netzwerk, ohne das er seine Firmen nicht hĂ€tte aufbauen und ausbauen können. Auch die VerfĂŒgbarkeit von genug Geld, um all das in Vorleistung zu erbringen, war notwendig. Er musste also auch Ăberzeugungskraft, Begeisterung und einen unbeirrbaren, ĂŒber Misserfolge erhabenen, Glauben mitbringen.Das alles zusammen fĂŒhrte zum Entstehen einer disruptiven Technologie und, ausgehend von Pilotprojekten, einer raschen Ausbreitung ĂŒber die ganze Welt. Heute ist die ElektrizitĂ€t nicht nur fĂŒr Leuchtmittel und Kabel-Telefon wichtig sondern die Basis fĂŒr Computer, Roboter, weite Teile der Automatisierung, Wissenstransfer, MobilitĂ€t und und und.FĂŒr gesellschaftsverĂ€ndernde technische und wirtschaftliche Innovationen braucht es also, in der Breite stattfindende, Entwicklungen, jemand, der daraus eine durchdachte Gesamtkonzeption macht und die Macht (das Geld), all das in die Wirklichkeit zu bringen.
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