Gastbeitrag Dieter Siebald: Bier war frĂŒher nicht so ohne! Hauptsache es machte wirr im SchĂ€del, Fliegenpilz, Stechpalme, Maiglöckchen, Bilsenkraut, Ochsenblut und Rindergalle!Im SpĂ€tmittelalter panschten Bierbrauer, wie es ihnen gefiel. Das Reinheitsgebot von 1516 machte Schluss damit. Es ist bis heute noch das Ă€lteste, gĂŒltige Lebensmittelgesetz der Welt!Die Zeiten waren dĂŒster um das Jahr 1516, BauernaufstĂ€nde, Reformationsfehden, Hunger, Krankheiten und Krieg bestimmten das Leben der Menschen. Die Ernten fielen mager aus und nicht selten kam es vor, dass das wenige Getreide, statt beim BĂ€cker, in einem Braubottich landete. Denn jedermann war es erlaubt, so viel Bier zu brauen, wie er wollte, und das tat das Volk gar zu gerne.Um die Weizen- und Roggenernte fĂŒr das Backen von Brot zu retten, griff der bayerische Herzog Wilhelm IV. durch. Im FrĂŒhjahr 1516 erlieĂ er eine bis heute gĂŒltige Verordnung, die das Bierbrauen stark verĂ€nderte. Er gestattete, dass die Gerste, eher unwichtig zum Brotbacken, zum Bierbrauen benutzt werden solle!Das Bier sollte mit Gerste, Hopfen und Wasser gebraut werden. Mit diesem Erlass legte er mutwilligen Bierpanschern das Handwerk.Um den Geschmack zu verbessern und die betörende Wirkung des GebrĂ€ues zu verstĂ€rken, hatten die Heimbrauer oftmals gefĂ€hrliche Experimente durchgefĂŒhrt. Es wurden Kiefernwurzeln, KĂŒmmel, Schafgarbe, Schlehen oder Wacholder verwendet. Auch der hochgiftige Fliegenpilz, Stechapfel, Maiglöckchen oder Bilsenkraut wurde zum GebrĂ€u beigemengt. Um die Manneskraft zu stĂ€rken und dem Bier FĂ€rbung zu geben, wurde Rindergalle und Ochsenblut hinzugegeben. Die Folgen waren schwere RĂ€usche mit Halluzinationen. Ăberdosierung der Rohstoffe fĂŒhrten zu Brechreiz und SchwindelgefĂŒhl. Andere wurden bewusstlos und verfielen dem Delirium, es kam auch zu TodesfĂ€llen.Das Reinheitsgebot sollte dem Panschen ein Ende bereiten. Die Brauvorschrift war leider von kurzer Dauer. Durch herzoglichen Erlass, 35 Jahre spĂ€ter, wurde erlaubt, dem Bier Koriander und Lorbeer, als weitere Zutat zuzufĂŒgen.Bald wurde auch Salz, Wacholder und wieder KĂŒmmel verwendet. Es wurde kreuz und quer gebechert, ins Glas kam alles, was âfuseligâ machte! Erst Jahrhunderte spĂ€ter, erlangte das Reinheitsgebot, durch Otto von Bismarck, Reichskanzler, seine endgĂŒltige BlĂŒte. Er benutzte den Gesetzestext fĂŒr seinen Handelsboykott gegen England und das damalige beliebte englische Bier.Ab 1906 galt das Reinheitsgesetz im gesamten Deutschen Reich und hat bis heute noch GĂŒltigkeit! Das deutsche Bier gilt nach dem Reinheitsgebot zum weltweit besten Bier!Ăbrigens, in Hamburg gibt es heute noch eine Brauerei, die Fliegenpilze zum Brauen verwendet!Na, dann Prost!Dieter Siebald