Meine Erfahrung mit Panikattacken
Es war relativ dunkel in jener Nacht. Ich hörte neben mir den Fernsehr rauschen und meinen Wasserhahn tropfen... Ich wohnte damals noch in der Friedrichstraße in Berlin Mitte. Meine Wohnung bestand aus einem Zimmer mit Wohnküche, einem kleinem Bad mit Wanne und einem Balkon, der gefühlt fast so groß war, wie die ganze Wohnung zusammen.
Ich muss ca. 17 Jahre alt gewesen sein, als ich das erste mal fast noch sanft von einer Panikattacke geweckt wurde. Ich schrak hoch, lag auf meinem klapprigen Klappsofa, spürte mein Herz wie es mir bis in den Kopf sprang, mein Puls raste... mein Gesicht und mein Hals wurden taub und meine Finger kribbelten. UND ZACK - da war er wieder, der Gedanke, dass ich jetzt sterben muss.
Auch wenn ich das Gefühl einer Panikattacke schon kannte. Doch noch nie bekam ich sie Nachts, geschweige denn, im Schlaf zu spüren.
Üblich waren diese Zustände für mich eher in Bus & Bahn, nach dem essen oder Abends, wenn ich im Bett lag und noch an Songtexten schrieb.
Natürlich dachte ich wieder, ich hätte sonst was für eine Krankheit und auf der anderen Seite versuchte ich mich zu beruhigen, dass es doch nur eine Panikattacke ist.
Es dauerte sehr lange bis ich gecheckt hab, dass ich diesen Zustand selbst verursache, weil ich mir nie genug Zeit für mich selbst nahm. Hierzu muss ich erwähnen, dass ich in äußerst schwierigen Verhältnissen aufgewachsen bin und es irgendwie geschafft habe, mit 16 Jahren von Zuhause auszubrechen. Also waren mir Stresssituationen stets bekannt. Eigentlich ein Grund mehr, noch besser auf mich aufzupassen müsse man meinen, doch ich dachte immer, dieser Zustand sei normal. Ich kannte keinen Unterschied zwischen "guten Stress" und "schlechten Stress" und ich wusste auch nicht, wie viel Stress ich auf Dauer aushalten kann, weil ich ja quasi Jahre lang unter Anspannung und permanenten Dauerstress stand.
Was ich sagen will ist, ich musste lernen zu entspannen, runter zu fahren ohne die Angst zu bekommen, wieder in eine Panikattacke rein zu rutschen. Denn meine Panikattacken entstanden immer erst dann, wenn ich Ruhe bekam...
Also fing ich an zu meditieren und lernte Wege zu entspannen z.B durch progressive Muskelentspannung. Dann kaufte ich mir verschiedene Tees und setzte mich mit Kräutern und ihren Heilkräften auseinander. Hierzu möchte ich erwähnen, dass mir eine Mischung aus Lavendel, Johanniskraut und Rosenblättern sehr gut bekam und mir beim einschlafen immer eine große Hilfe war.
So wurden die Abstände der Panikattacken größer und manchmal verschwanden sie sogar über Jahre. Doch sie wurden auch mit der Zeit immer heftiger! Es gab auch Zeiten in denen ich deshalb Medikamente nahm und dann wieder absetzte. Das waren auch die Zeiten in denen ich glaubte verrückt zu werden. Was übrigens auch zu den Panikattacken gehört. Im großen und ganzen will mir mein Körper damit sagen, dass es reicht. Wie ein guter Freund, der sieht das man sich kaputt arbeitet.
Und so war es letztendlich auch vor ein paar Wochen. Nur leider so schlimm, wie noch nie.
Ich brauchte zum Glück nur zwei Wochen, bis ich mir selbst und anderen wieder glauben konnte, das alles gut wird.
In dieser Zeit konnte ich kaum allein sein, geschweige denn alleine raus gehen. Einfach weil ich wieder bereits "Angst vor der Angst" hatte.
Da ich weiß, dass man sich seinen Ängsten immer stellen muss und ich auch ein Mensch bin, der einfach absolut niemals kampflos aufgeben kann, probierte ich es dennoch immer wieder, Tag für Tag. Zwar immer mit meinem Telefon in der Hand, für den Fall das ich es doch nicht alleine schaffe, doch es funktionierte. Ich legte meinen Fokus auf Bäume, den Himmel, Ampeln, Vögel...alles Mögliche was weit von mir weg war. Ich erinnerte mich auch an alte Therapiesitzungen in denen ich lernte, solche Situationen als Außenstehender zu betrachten und aufzuschreiben was in diesem Moment der Panikattacke passiert, was ich dabei denke und das half mir auch. Generell half es mir schon immer, alles aufzuschreiben um mich und mein Verhalten zu reflektieren und ich denke das war auch notwendig um nicht wirklich verrückt zu werden. Denn irgendwo muss ja das alles hin, was sich im Kopf und Körper aufstaut und nicht los gelassen wird.
Nun ist meine letzte richtige Panikattacke zwei Wochen her... Es gab die letzten Tage immer wieder Anflüge davon, doch ich beginne direkt in dem Moment wo ich merke sie kommt, zu akzeptieren das sie quasi "herein" will... und dann lass ich sie herein. Atme mehrmals ganz tief ein und aus... mache mir einen Tee und sage okay, ich bin bereit. Denn ich glaube, umso mehr man ihr einen Wert zuspricht indem man sie nicht mag, ihr Angst entgegen bringt und sie anfängt zu hassen, weil man einfach das Gefühl hat, das sie einem das Leben nimmt und Zuhause einsperrt, umso stärker wird sie. Vielleicht kann man sich die Panikattacke wirklich wie einen guten Freund vorstellen, der einen nur beschützen möchte. Doch in erster Linie, so denke ich, sollte ich das schon vorher. Ich sollte mir selbst ein guter Freund sein und mich nicht immer nach hinten stellen. Ich sollte mir selbst eine Pause und Ruhe gönnen und mir dankbar sein, wenn es mir z.B auf Arbeit an Anerkennung fehlt. Und generell sollte ich dankbar sein, dass mein Körper schon so viel mit mir ausgehalten und durchgehalten hat, denn im Endeffekt bin ich ja die, die nicht gut zu ihm war und ihn ständig überlastet hat.
Ich kann niemanden einen Rat geben, denn jeder Mensch ist anders. Ich kann euch nur meine Meinung dazu sagen, was ich denke und fühle und wie ich selbst damit umgehe.
Wie eben erwähnt versuche ich in akuten Situationen, es auszuhalten und geschehen zu lassen und eventuell so wie ich es in meiner Therapie gelernt habe, diesen Zustand von außen zu betrachten, ohne ihn zu bewerten.
Auf langer Sicht gesehen, fand ich meine damalige Verhaltenstherapie u.a wegen meiner Panikattacken sehr gut und für mich angebracht, da es nie schlecht sein kann dazu zu lernen und sich selbst zu helfen und natürlich mit schwierigen Situationen umzugehen.
Ich wünsche euch allen alles Liebe und bedanke mich sehr bei denen, die meinen Text über meine Panikattacken gelesen haben. Danke für eure Zeit und macht es gut :))