August 2020
Der blöde Pfandautomat
Der Pfandflaschen-Rückgabeautomat in unserem Edekamarkt ärgert mich seit einiger Zeit.
Ich lege eine Flasche nach der anderen in die hierfür vorgesehene Öffnung, dort kommt sie auf zwei Gummiriemen zu liegen, die sie wegtransportieren, unterwegs erkennt der Automat nach nicht immer durchsichtigen Kriterien, um was für eine Flasche es sich handelt, und schreibt mir den entsprechenden Pfandbetrag gut.
Seit einiger Zeit weist mir der Automat Bio-Schlagsahneflaschen zurück mit dem Kommentar “Barcode nicht im Sortiment”. Blödsinn, ich kaufe diese Flaschen seit Jahrzehnten hier. (Überdies nimmt er oftmals Flaschen, bei denen das Etikett fehlt oder beschädigt ist, und gar kein Barcode vorhanden ist, klaglos an). Also antworte ich dem Automat: “Doch!” und lege die Flasche erneut hinein.
Automat (Schiebt die Flasche zurück): “Barcode nicht im Sortiment”
Ich (Schiebe die Flasche erneut rein): “Doch, kannst es mir glauben”
Automat (Schiebt die Flasche zurück): “Barcode nicht im Sortiment”
Das ist soweit normales Maschinenverhalten, nur eben: beim fünften oder sechsten Versuch nimmt er die Flasche dann doch.
Aus Erfahrungen mit anderen, ähnlichen Automaten habe ich schon Barcode nach oben, Barcode nach unten, Barcode links, Barcode rechts probiert. Nichts hilft.
Aber jetzt weiß ich die Lösung: Der Barcode muss in Richtung sieben Uhr oder fünf Uhr orientiert sein. Dann kommt er auf einen der Gummiriemen zu liegen, die Maschine kann ihn nicht lesen, und ist es dann irgendwie doch zufrieden, so wie ein sprachlich oder intellektuell überforderter Mensch, der nicht ganz verstanden hat, und etwas unsicher “Ja, ja” sagt, um nicht anzuecken.
Solange die Maschinen noch eine gewisse Restblödigkeit an den Tag legen, so lange fühle ich mich noch nicht überflüssig auf der Welt. Kann von mir aus gern so bleiben.
Nachtrag, viel später. Es hat tatsächlich knappe zwei Jahre gedauert, bis es dem Edekamarkt gelang, das Sahneflaschenproblem zu lösen. Als ich die Angestellten einmal danach fragte, meinten sie, ja, sie wissen das sehr gut, aber eine Lösung sei nur möglich, indem die Molkerei neue Daten einspiele, und die habe irgendwie grade andere Prioritäten; das macht den Fall auch zu einem Lehrstück über moderne IT, in der sehr oft den Menschen, denen die Lösung eines Problems obliegt, dessen Ärgerlichkeit dermaßen ferne ist, dass jahrelang nichts geschieht.
(Tilman Otter)













