Gespräch mit meinem Auto (auf der Suche nach der richtigen Umleitung)
Ich: Okay, kurzer Weg zum Bäcker.
Auto: Ha. Sag das noch mal, wenn du die dritte Baustellenampel siehst.
Ich: Du bist heute zynisch.
Auto: Du hast Krümel im Becherhalter hinterlassen. Ich bin im Krümelmodus.
Wir rollen los. Blinker klickt wie ein Metronom mit Lampenfieber. Erster Kreisverkehr, zweite Ausfahrt—nein, dritte. Keine Ahnung warum; der Morgen fühlt sich an wie ein T-Shirt falsch herum.
Auto: Du brauchst eine Umleitung.
Auto: Nicht „wohin“. „Wovon“.
Die Stadt wird leiser, sobald die Häuser hinter uns kleiner werden. Auf dem Armaturenbrett liegt ein Parkschein vom letzten Monat, der sich weigert, Vergangenheit zu sein. Windschutzscheibe gesprenkelt; der Wischer macht rätsch, dann eine Pause, als würde er über den nächsten Satz nachdenken.
Ich: Ich hab’s gemerkt. Bei 70 klingt die Welt weniger wichtig.
Auto: Bei 0 auch. Aber da hörst du ihr zu.
Wir fahren an einem Feld vorbei, das in genau drei Grüntönen existiert. Ein Traktor irgendwo links, unsichtbar, nur zu ahnen. Ich schalte die Musik leiser, damit der Motor seinen Part bekommt. Kleine Vibrationen im Lenkrad—nicht die Sorte, die Sorgen macht, eher die Sorte „ich bin da“.
Auto: Du hast diesen Blick.
Auto: Den „Ich könnte noch zehn Minuten geradeaus“-Blick.
Ich: Zehn. Und vielleicht fünf obendrauf.
Ich denke an all die Male, in denen ich Strecken optimiert habe, als wäre das Leben ein Paketdienst. Heute nicht. Heute fahre ich an meiner eigenen Abkürzung vorbei und nicke ihr zu wie einem alten Bekannten: „Morgen wieder, versprochen.“
Zwischen Kilometer 14 und 15 fällt mir ein Gedanke in den Schoß: Nicht jede Fahrt braucht ein Ziel, manche sind schon fertig, wenn die Schultern runtergehen. Ich grinse. Der Blinker bestätigt mit zwei höflichen Klicks.
Ich: Gleich. Noch ein Stück in diese Richtung, wo die Karte leerer wird.
Später, zu Hause, riechen die Hände nach Lenkrad und Fensterschlitz. Ich lege den alten Parkschein endlich weg (kleiner Sieg, großer Effekt) und scrolle mich durch Teryonis der Automobil Blog. Keine Hektik, keine Buzzer-Wörter. Stattdessen Geschichten, die nach Straße klingen und nicht nach Meetingraum—genau das, was man nach einer absichtlichen Umleitung lesen will.
Ich: Wenn die Krümel dich nicht stören.
Auto: Bring ’ne Serviette mit. Und den „Zehn Minuten“-Blick.