Über Könige
Fanfaren werden geblasen und Trommler spielen Rhythmen, die sich nach Leben anhören. Die lange Menschenschlange bewegt sich langsam vorwärts. Die Menschen in ihren bunten Gewändern sehen festlich aus, aber sie verstecken sich nicht hinter einer Zeremonie. Manche tragen mit Gold besetzte Stoffbänder um ihren Kopf: Kronen. Nicht nur aufgrund der prallen Mittagssonne, sondern vielleicht auch aus symbolischen Gründen stehen hinter manchen der höheren Chiefs Schirmträger, die große bunte Schirme tragen.
Da sehen wir auf einmal den Paramount Chief. Er wird in einer Sänfte zum großen Versammlungsplatz getragen, wo Zelte für die vielen Zuschauer aufgebaut sind. Hinter ihm werden mehrere mannshohe Trommeln getragen und im Laufen getrommelt. Außen herum herrscht Jahrmarktsatmossphäre: Frauen und Männer, die Meat Pies, Fan Ice, Pure Water, Eier oder grüne Orangen auf dem Kopf tragen. Kinder tragen Papiermasken der großen politischen Parteien. Jugendliche plaudern im Schatten, manche tragen noch ihre Schuluniform.
Sam und ich und einige andere Freiwillige waren für das Wochenende von Stefania, Magnus (beide aus Island) und Fabienne (aus Österreich) in das Dorf Asikuma eingeladen worden. Sie wohnen dort in einer Gastfamilie. Am Samstagmorgen haben wir die Schule angeschaut, in der sie arbeiten. Einer der Lehrer, Mr. Fant, erzählte uns, das der Name des Dorfes eigentlich der Name eines jüngeren weiblichen Zwillings ist. Die Person Asi Kuma spielt wohl in der Entstehungsgeschichte des Dorfes eine Rolle. Laut Mr. Fant sind Zwillingsgeburten in Asikuma nichts besonderes, etwa in jedem vierten Haus gibt es mindestens ein Zwillingspaar. Ich habe das allerdings nicht überprüft.
Mittags gingen wir dann zu der Versammlung der Chiefs der Region. In Ghana gibt es neben dem demokratischen System auf der nationalen Ebene regionale Chiefs und Könige, die über Dörfer, Regionen, Völker oder andere Chiefs herrschen. Letztere sind die Paramount Chiefs, also praktisch die Chiefs of Chiefs. Diese haben zwar so gut wie keine exekutive Gewalt, allerdings sind sie kulturell immer noch bedeutend und werden auch häufig als Richter konsultiert.
Nach der Eingangsprozession auf den Versammlungsplatz setzten sich die Zuschauer (und das waren richtig viele) in die Zelte, und sahen im Wesentlichen dabei zu, wie alle anderen Chiefs den Paramount Chief grüßten, was mehr als zwei Stunden dauerte. Fast die ganze Zeit wurde getrommelt und ab und zu tanzten wenige Menschen auf dem großen Platz. Nachdem wir genug Gold und Verbeugung gesehen hatten, verließen wir den Platz zugunsten eines Mittagessens mit Jollof Rice.
Übrigens leben die Chiefs nicht nur vom Bosssein und sie sind auch nicht unbedingt lebenslang Chief. Nur wenn sie einen Verhaltenskodex beachten, bleiben sie Chief. Der Paramount Chief dieser Region ist angeblich Ölkaufmann bei Goil in Accra. Nachdem ich ihn in der Sänfte gesehen habe, kann ich ihn mir irgendwie nur schwer im Anzug vorstellen.
Na ja, in Deutschland ziehen sich Leute ja auch zu diversen Festivitäten sehr ungewöhnlich an.
P.S.: Heute bin ich seit zwei Monaten in Ghana.














