Es hat etwas von Dornröschenschlaf, wenn man bei trĂŒben Wetter ĂŒber den Ludwig-Beck-Platz in Lichterfelde geht. Eigentlich ein beliebter Platz, bietet er aber wenig, was zum Verweilen einlĂ€dt. Der Brunnen in der Mitte fĂŒhrt meist kein Wasser, das WaschhĂ€uschen mit Toiletten ist seit Jahren hinter einem Bauzaun verschlossen und auch sonst macht der Platz keinen sehr einladenden Eindruck. Das Àndert sich immer, wenn die Sonne beschlieĂt ihr Bestes zu geben, der kleine Pavillon fĂŒr GetrĂ€nke und Eis öffnet oder sich zweimal in der Woche ein paar MarktstĂ€nde mit ihren Waren prĂ€sentieren. Dann ist es etwas belebter, aber noch lange nicht so, wie es frĂŒher einmal war, woran sich noch viele Ă€ltere AnwohnerInnen erinnern. So wurde der Ludwig-Beck-Platz ein Thema am Runden Tisch in Lichterfelde-West, wo eine kleine Idee jetzt zur Aktion wurde.
Schon vor drei Jahren wurde der Platz ein fester Tagesordnungspunkt am Runden Tisch. FrĂŒher war er weitaus belebter und wurde an Markttagen von sehr viel mehr HĂ€ndlern genutzt. Durch Pflasterarbeiten, die sich in die LĂ€nge zogen, schlief alles ein bisschen ein. Doch das Interesse ist groĂ, diesen Platz als Mittel- und Treffpunkt fĂŒr die Menschen in der Umgebung zu nutzen. Dies nicht nur von den AnwohnerInnen, auch von den umliegenden HĂ€ndlern und Einrichtungen. Viele Diskussionen spĂ€ter am Runden Tisch wurde ein Nachbarschaftsfest beschlossen das in diesem Jahr das dritte Mal in Folge veranstaltet wird. Besprochen am Runden Tisch, organisiert vom Stadtteilzentrum Steglitz e.V., ist das Fest der Nachbarn mittlerweile eine beliebte GröĂe in der Nachbarschaft geworden. Einrichtungen und HĂ€ndler stellen sich vor, Nachbarn kommen ins GesprĂ€ch, gemeinsame Zeit wird freudig begrĂŒĂt! Nur ist ein einziges Fest im Jahr etwas wenig um einen Platz zu beleben.
So stieĂ eine weitere Idee nun auf offene Ohren. Monika Zwicker ist schon lange regelmĂ€Ăige Besucherin des Rundes Tisches. Ihr besonderes Interesse liegt in der Pflege der Natur in der Umgebung, bei der ihr besonders die BĂ€ume am Herzen liegen. Das Thema wurde von ihr immer wieder angesprochen, die einzelnen Aspekte in der Runde beraten, Erfahrungen und verschiedene Blickwinkel ausgetauscht. Baumpflege, Baumscheiben, Patenschaften ĂŒber BĂ€ume, die verschiedenen Ămter angesprochen, wo bekommt man Informationen und UnterstĂŒtzung, wenn man fĂŒr die BĂ€ume etwas tun möchte. Und wie bei vielen Dingen, war auch hier schnell klar: Wenn man schnell etwas verĂ€ndern möchte ist das Selbermachen noch der beste Gedanke. Sie erkundigte sich weiter, beim Amt ĂŒber die Pflege von Baumscheiben und angeregt durch Kathrin Backhaus, bei der BSR, der Berliner Stadtreinigung, ĂŒber Putzaktionen. Auch diese Informationen stellte sie den Mitgliedern des Runden Tischs vor, man wurde sich schnell einig, fand einen Termin, erstellte Handzettel, rĂŒhrte die Werbetrommel und lud ein zur BĂŒrgerkehren-Aktion. Treffpunkt war am 30. April um 10.00 Uhr am Springbrunnen auf dem Platz. Die Aktion war unter www.kehrenbuerger.de bei der BSR angemeldet. Das Tolle dabei ist, dass man durch die Anmeldung, StraĂenbesen, Kinderbesen, Arbeitshandschuhe, Papierklammern und MĂŒllbeutel zur VerfĂŒgung gestellt bekommt. Die brauchte ein freundlicher Herr der BSR im Gutshaus Lichterfelde vorbei und wurden nach der Aktion wie auch die gefĂŒllten MĂŒllbeutel wieder abgeholt. Einzig GartengerĂ€te und Blumenspenden mussten mitgebracht werden.
An dem Samstagmorgen hatten auf dem Platz die bekannten StĂ€nde der HĂ€ndler schon geöffnet und boten ihre Waren an. Die Nachbarn, die es kennen, schĂ€tzen die MarktstĂ€nde und was es dort alles zu kaufen gibt sehr. Schnell fanden sich die Helfer der Aktion am Springbrunnen, erst zögerlich, dann immer mehr. SchlieĂlich waren um die 30 Helfer auf dem Platz, dabei ein paar Kinder, die alle motiviert Hand anlegten. Bernd Neumann von der Jugendfreizeiteinrichtung Albrecht-DĂŒrer kam gleich mit einer ganzen Schubkarre voll Gartenwerkzeug. Kristian Koch, der sein Nachbarschaftsportal âWirNachbarnâ ins GesprĂ€ch bringen möchte, war ebenso mit von der Partie, wie andere im Bezirk gut bekannte Gesichter. Lange wurde nicht gefragt, was zu tun sei, jeder fand einen Besen, eine kleine Harke oder Schaufel ⊠es wurde gefegt, Unkraut gezupft, Papier aufgehoben, das Pflaster freigekratzt, unter den BĂ€nken gesĂ€ubert und emsig gearbeitet um den Platz beim Brunnen wieder fein zu machen. Die einen kĂŒmmerten sich um die Sauberkeit, die Anderen um die Baumpflege. Von Unkraut zugewachsen wurden die Baumscheiben hartnĂ€ckig befreit. Das brauchte schon einige Zeit waren die GrĂ€ser doch sehr eingewachsen. Neben den Arbeiten entstanden immer wieder GesprĂ€che, Helfer lernten sich kennen, Marktbesucher kamen nĂ€her und fragten, was hier los sei. Sinn und Unsinn solcher Aktionen wurde besprochen. Handzettel ĂŒber den Runden Tisch und ĂŒber das bevorstehende Nachbarschaftsfest wurden verteilt. Der Platz verwandelte sich fĂŒr diese Stunden in das, was sich viele wĂŒnschen: Einen Treffpunkt von Nachbarn zum Austausch und Kennenlernen.
Es dauerte nicht lange bis der ein oder andere Blumentopf auf dem Rand der sechs Baumscheiben stand und darauf wartete, dass sein Inhalt einen neuen Platz bekommt. Die Baumscheiben waren vom Unkraut befreit und es konnte gepflanzt werden. Aber nicht nur mitgebrachte Blumen wurden eingepflanzt: Als deutlich wurde, was hier vonstattenging, wanderte auch so manche Blumenspende vom Blumenstand des Marktes zu den Aktivisten. Eine Dame sagte beispielsweise, dass sie nicht mehr helfen könne, aber eine Blumenspende möchte sie doch beitragen. Blumenerde wurde gekauft, gebracht und gespendet, GieĂkannen besorgt, Wasser geholt, Blumen gepflanzt und immer wieder viel gelacht und geredet.
Gegen Ende kamen noch einmal alle zu einer kurzen Besprechung und einem Dankeschön zusammen. Der ein oder andere verabschiedete sich. Ein paar sehr emsige Helfer machten aber weiter, kĂŒmmerten sich um die frisch ausgebuddelten Baumscheiben und bepflanzten noch die vierte und fĂŒnfte Baumscheibe. FĂŒr die letzte fehlte es dann leider an Zeit und Blumen. Als alles gepflanzt und die GerĂ€te wieder am richtigen Platz waren, konnte ein sehr befriedigendes Ergebnis begutachtet werden: Der Platz war sauber, Unkraut kaum noch vorhanden und sechs BĂ€ume standen in ihren schön hergerichteten Beeten. Eine kleine Maus aus Ton mit Namen âRuTiâ fand in einem Beet als Maskottchen seinen festen Platz. Ein paar der HelferInnen verabredeten sich samstags um 10.00 Uhr nach dem rechten zu schauen. In der unmittelbaren Umgebung wohnt eine junge Mutter, die versprach mit ihren Kindern in den nĂ€chsten Tagen die frisch gepflanzten Blumen zu wĂ€ssern. Ganz zum Schluss konnte â wer wollte â noch das Angebot der Seniorenresidenz BĂŒrgerpark Ecke KlingsorstraĂe/Hindenburgdamm in Anspruch nehmen und als Lohn fĂŒr die Arbeit eine leckere Kartoffelsuppe im Haus essen.
Insgesamt ist die ganze Aktion ein wunderbares Beispiel fĂŒr bĂŒrgerliches Engagement: Aus dem Anliegen einer Person wird ein Thema am Runden Tisch. Dort wird es besprochen, von den Teilnehmern eine geeignete Aktion erdacht, organisiert und durchgefĂŒhrt. Am Ergebnis können sich viele erfreuen und das gute GefĂŒhl, zusammen etwas geschafft zu haben, stellte sich von selber ein. Monika Zwicker war sehr zufrieden und dichtete dazu ⊠und möchte sich auch kĂŒnftig mit UnterstĂŒtzung des Runden Tisches um ihre Anliegen und die Natur in der Nachbarschaft kĂŒmmern.
Die Aktion der KehrenbĂŒrger â 30.04.2016
Mein Herz ist voll, mir geht es gut.
fĂŒr heute liegt sie still, die Wut.
Wir trafen uns am Platze Ludwig-Beck
zu einem ganz besondâren Zweck.
Mit Schwung in den Mai, nicht nur mit dem Besen,
es kamen viele fleiĂige Wesen.
Den Platz zu verschönern, um den Springbrunnen ârum,
war unser Ziel und keine Idee zu dumm.
Wir haben gezupft, gepflanzt und gefegt
und keiner hat sich aufgeregt.
Alle hatten gute Laune,
wir haben viel gelacht und es gab kein Geraune.
Zum Herzen geöffnet wurde eine Schranke,
kurzum ich sage allen danke!
Ein Mitglied des Runden Tischs Lichterfelde-West
                               Monika Zwicker
Die Aktion der KehrenbĂŒrger Es hat etwas von Dornröschenschlaf, wenn man bei trĂŒben Wetter ĂŒber den Ludwig-Beck-Platz in Lichterfelde geht. Eigentlich ein beliebter Platz, bietet er aber wenig, was zum Verweilen einlĂ€dt.