31. Januar 2021
Ins Klubhaus mit dem Kältebus
Auf dem Sofa sitzend stolpere ich beim Surfen ein weiteres Mal über Clubhouse. Das ist wohl der neueste Social-Network-Hype und Podcaster, deren Sendungen ich höre, halten da neuerdings Fragestunden und Gesprächsrunden ab. Nach meinem letzten Kenntnisstand war die App allerdings "iOS only" und "invitation only" – man braucht also eine Einladung von jemandem, die oder der schon drin ist. Ist das noch so, oder wurden diese Regeln mittlerweile gelockert?
Das könnte ich sicherlich googeln, aber in den letzten Monaten fand ich es oft schwieriger als erhofft, dadurch an tagesaktuelle Informationen zu gelangen. Ein iPhone halte ich ja gerade in der Hand und so kann ich es auch einfach ausprobieren.
Nach der Installation der Clubhouse-App kann man sich registrieren, indem man seinen Namen und gewünschten Nutzernamen eingibt. @virtualista ist noch verfügbar und das finde ich schonmal gut. Danach bekommt man den Hinweis, dass man hereingebeten würde, sobald ein Club-Mitglied einem eine Einladung zukommen lässt. Na gut, denke ich, nun werde ich wohl geraume Zeit draußen vor der Tür herumlungern, und widme mich wieder anderen Dingen.
Keine Stunde später erhalte ich eine Benachrichtigung, dass ich Einlass erhalten habe – durch F., einen alten Freund, zu dem ich aber aktuell nicht viel Kontakt habe.
Ich kann mich also einloggen und mich im Klubhaus umsehen. Sofort werde ich aufgefordert, anderen Mitgliedern zu folgen. Die Vorschlagsliste wird dominiert von Poilitiker:innen und Showbizgestalten und ich lehne erst einmal dankend ab. Ich finde dann besagte Podcaster und ein paar andere Leute, denen ich lieber folgen möchte.
Außerdem habe ich jetzt natürlich die Superkraft, selbst Leute in den Klub einzuladen. Ich frage ein Bisschen herum und in der Techniktagebuchredaktion meldet sich Thomas Jungbluth und signalisiert Interesse. Es stellt sich heraus, dass das Einladen nur funktioniert, indem man die komplette Kontaktliste des Telefons freigibt. Darauf war ich ja eigentlich nicht so scharf.
Außerdem steht Thomas gar nicht in meiner Kontaktliste. Na, seis drum. Ich frage ihn also im Facebook Messenger nach seiner Telefonnummer, trage diese in meine Kontaktliste ein und gestatte der Clubhouse-App den Zugriff darauf. Daraufhin präsentiert mir die App eine Vorschlagsliste der (vermeintlichen) Personen, die ich zu Clubhouse einladen könnte.
Diese Vorschlagsliste enthält offenbar diejenigen meiner Kontakte, die noch nicht bei Clubhouse sind, die aber am häufigsten in den Kontakten anderer Clubohuse-Mitglieder auftauchen. Und so kommt es, dass sie von "Kino Service" und dem "Kältebus" angeführt wird.
Letzteres ist eine gemeinnützige Initiative mit dem Zweck, Obdachlose in kalten Nächten zu den entsprechenden Unterkünften zu transportieren. "Kino Service" ist ein Ansagedienst für das Berliner Kinoprogramm. Ich bin mir relativ sicher, dass das eine der nützlichen Service-Telefonnummern ist (neben der ADAC-Pannenhilfe und Ansagediensten für Lottozahlen, Horoskope, Wetter, usw.), die schon im "Telefonbuch" meiner allerersten SIM-Karte aus dem Jahr 2000 vorinstalliert waren.
Damals hieß mein Mobilfunkanbieter noch VIAG Interkom, er wurde später von O2 übernommen, und gehört heute zu Telefónica. Seitdem habe ich die Nummer offenbar brav mit allen anderen Kontakten von einem Telefon aufs nächste kopiert. Neugierig geworden, wie die Ansage während des Corona-Lockdowns lautet, rufe ich beim Kino Service an, bekomme aber die lapidare Mitteilung "diese Nummer ist nicht vergeben."
(Virtualista)








